Ein Bericht aus der Praxis

zusammengestellt von Ch. Rapp und I. Edenhofer.

Foto: HZG

Seit dem 11. Januar 2021 läuft es an den Schulen Baden-Württembergs wie im vergangenen Frühjahr, als die Pandemie den gewohnten Alltag jäh unterbrach: die Kinder sitzen wieder zu Hause in ihren Kinderzimmern, unter Dachschrägen, an Wohnzimmertischen oder im Esszimmer und versuchen, in Englisch, Mathematik, Deutsch und allen anderen Fächern sich das Wissen anzueignen, das ihnen auf der anderen Seite des Monitors beigebracht wird.

Manche der Bedingungen haben sich für viele Kinder nicht geändert - noch immer muss man sich den engen Raum mit seinen Geschwistern und seinen Eltern teilen und noch immer muss der Unterrichtstag von morgens bis abends im Familienverbund organisiert werden. Noch immer fehlt das Klassenzimmer, der vertraute Lehrer. der vor einem an der Tafel steht und die sozialen Kontakte, welche die SchülerInnen so sehr vermissen.

Doch vieles ist mittlerweile deutlich besser als im vergangenen Jahr.

In Moodle, der digitalen Lernplattform des Landes, wurde so viel investiert, dass nach Serverüberlastungen zu Beginn der Pandemie nun jede Unterrichtsstunde in Videokonferenzen fast störungsfrei gehalten werden kann.

Wir fragen nach bei SchülerInnen und Schülern des Hohenzollern-Gymnasiums Sigmaringen.

Sogleich bestätigt ein Schüler der Mittelstufe des städtischen Gymnasiums, dass “der Online-Unterricht über Big Blue Button nun problemlos” funktioniere.

Auch die Tatsache, dass der Unterricht nach Stundenplan stattfinde, helfe vielen Kindern, sich besser zu organisieren und eine Struktur in den Tagesablauf zu bekommen. “Der Unterricht nach Stundenplan ist eine klare Verbesserung im Vergleich zum Vorjahr und hilft uns Schülern, die Lerninhalte besser zu begreifen und allgemein besser zu lernen”.

So tragen auch die verschiedenen Fächer im Lauf des Tages dazu bei, dass das Sitzen vor dem Computer nicht zu anstrengend wird. Und die Lehrerinnen und Lehrer des Hohenzollern-Gymnasiums Sigmaringens lassen sich viel einfallen, um ihren Schülern den Tag abwechslungsreich zu gestalten. “Am meisten Spaß macht mir Englisch, weil es dort viele coole Onlinespiele gibt und man nichts ausdrucken muss”, sagt Pius Friedrich.

Vincent Paulus schließt sich der Meinung seines Mitschülers an: “Wir haben sogar Sport und müssen ein Workout im Zimmer machen.”

Marcel Thomanek, ebenfalls Klasse 6a, fasst die Äußerungen seiner Mitschüler zusammen: “Der Unterricht am HZG macht eigentlich sehr viel Spaß, da die Lehrer den Fernlernunterricht sehr abwechslungsreich gestalten.”

Neben den schulischen Verbesserungen gewinnen die SchülerInnen der Unter- und Mittelstufe dem Fernunterricht auch andere positive Aspekte ab.

Das Homeschooling hat für mich Vorteile, wie zum Beispiel, dass man länger schlafen kann oder dass man fast immer nebenher etwas essen oder trinken kann”, sagt Lore Halmer. Chiara Paulus pflichtet ihr bei:”

Praktisch ist, dass die Zeit für den Schulweg eingespart wird und man daher meist entspannter in den Schultag startet.”

Auch die angehenden AbiturientInnen können dem Fernlernunterricht durchaus Positives abgewinnen. Johanna Möller aus der Kursstufe 2: “Viele meiner Lehrer haben bereits während des ersten Lockdowns den Unterricht umgestellt, sodass wir jetzt mehr mit Skripten oder Arbeitsblättern arbeiten. Dies hat nicht nur den Vorteil, dass man als Schüler einfacher folgen und auch mal selbstständig arbeiten kann, sondern man spart auch Zeit ein, die man ansonsten mit Abschreiben von der Tafel verbringen würde.”

Natürlich gibt es auch Fächer, die im Fernunterricht nicht so einfach zu unterrichten sind. Auch die Naturwissenschaften, in denen viele Versuche nur mit chemischen Substanzen durchgeführt werden können, welche die Schüler nicht zuhause haben, gehören hier dazu. Aber dabei können die Lehrkräfte mit tollen Ideen zu einem abwechslungsreichen Unterricht beitragen. “Der praktische Unterricht kommt nicht zu kurz. Sei es beim Backen von Dominosteinen in den letzten Stunden vor den Ferien oder dem Nachweis von Fetten in der aktuellen Einheit, bei der verschiedene Stoffe auf ein Blatt Papier gegeben werden. Diese Versuche kann man auch gut und manchmal sogar besser daheim machen.”, erklärt Johanna Möller.

 Ein einfaches Experiment für Zuhause - Wasser, Pfeffer und Spüli! Foto: HZG.

Aufgrund der positiven Erfahrungen mit praktischen Versuchen haben sich die Naturwissenschaften überlegt, Grundschulkindern auch die Möglichkeit zu geben, daheim Versuche selbst auszuführen. Daher lädt das Hohenzollern-Gymnasium alle Grundschulkinder in und um Sigmaringen dazu ein, in der Aula ein Experiment für zuhause abzuholen.

          *neu* Chemie - Experimente für daheim

 

Eine Überraschung zum Abholen für die Viertklässler. Foto HZG. 

Als Fazit lässt sich ziehen, dass der Online-Unterricht mittlerweile angekommen ist. Und so wünscht sich Chiara auch, “dass die Plattform Moodle weiterhin beibehalten wird, um Schüler von zuhause aus am Unterricht teilhaben zu lassen.” Dennoch hoffen natürlich alle, dass das neu renovierte Gymnasium bald wieder seine Türen für alle SchülerInnen öffnet. Nochmal ein Schüler aus der Mittelstufe: “Insgesamt kann man sagen, dass der Präsenzunterricht unersetzlich ist. Dennoch ist Online-Unterricht mittlerweile eine gute Alternative, vor allem, wenn er so gut umgesetzt wird wie von den Lehrkräften des HZG.”