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Erinnerung an einen Schulleiter aus der Zeit des Kulturkampfs

Am 20. September 1874 bekam der damalige Schulleiter des Sigmaringer Gymnasiums, Dr. Roman Stelzer zum 25. Dienstjubiläum als Rektor vom Lehrerkollegium und ehemaligen Lehrern einen silbernen Pokal überreicht, der die große Wertschätzung für diesen herausragenden Menschen zum Ausdruck brachte. Stelzer war 1821 im hohenzollerischen Trillfingen bei Haigerloch geboren. Er hatte selbst das Sigmaringer Gymnasium besucht und war 1841 einer der beiden ersten Abiturienten aus dem Bildungsgang der Schule. Nach dem Studium begann er 1846 seinen Dienst als Latein- und Griechischlehrer an seiner Abitursschule. Zu Ostern 1848 wurde ihm, mit gerade mal 26 Jahren die Schulleiterstelle zunächst kommissarisch, dann im September 1849 endgültig übertragen. In seine Rektorenzeit fiel die Revolution 1848 und der Übergang Hohenzollerns an Preußen. Es ist Stelzers großes Verdienst, das relativ rückständige hohenzollerische Landesgymnasium zu einer modernen Schule auszubauen. In enger Zusammenarbeit mit dem Fideliskonvikt (gegr. 1856) wurde die Schule zur Ausbildungsstätte vieler katholischer Priester. Gerade diese überzeugte katholische Grundhaltung, die das gesamte Leben Stelzers prägte, wurde ihm während des Kulturkampfs zum Verhängnis, als die Regierung Bismarck mit Gewalt den Einfluss der katholischen Kirche im öffentlichen Leben beschränkten wollte. 1875 unterzog die preußische Schulbehörde das Gymnasium einer strengen Visitation. Der Direktor, zuvor von den staatlichen Behörden immer hoch gelobt, wurde plötzlich offen vor seinen Schülern kritisiert, es wurde ihm wegen angeblicher pädagogischer Unfähigkeit der Unterricht in der Abiturklasse untersagt und der Rückzug in den Ruhestand nahegelegt. Ihm wurde vorgeworfen, die Schule wegen zu strenger Disziplin in ein „Gefängnis“ verwandelt zu haben. Da Stelzer sich keiner Schuld bewusst war, wandte er sich an Fürst Karl Anton, der seinerseits einen Brief an den Kaiser schrieb. Nachdem Stelzer keine Dienstverfehlung nachgewiesen werden konnte, wurde ihm die Versetzung an eine evangelische Schule nach Norddeutschland angedroht, wo „seine Richtung unschädlich sei“, wie die Schulbehörde schrieb. Verzweifelt reichte Stelzer 1876 mit 55 Jahren seinen Ruhestand ein und zog nach Würzburg, wo er 1879 starb. Für das katholische Hohenzollern wurde Stelzer zu einer Art Märtyrer des Kulturkampfs, in Sigmaringen und in Trillfingen ist bis heute eine Straße nach ihm benannt. Den Pokal, den er 1874 erhalten hatte, nahm er nach Würzburg mit und er gelangte schließlich in den Besitz seiner Urenkelin Katrin Rupf. Diese stellte ihn zusammen mit ihrem Mann Alfred Rupf dem Hohenzollern-Gymnasium zur Verfügung. Wir danken herzlich für dieses Geschenk, das die Erinnerung an eine außergewöhnliche Persönlichkeit unserer Schule aufrecht erhält.

Alfred Rupf überreicht Schulleiter Martin Hoffmann den Pokal von Roman Stelzer

Alfred Rupf (r.) überreicht Schulleiter Martin Hoffmann den Pokal von Roman Stelzer. Foto: HZG.

   

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